NSAR und Schmerzmittel lindern akute Schulterschmerzen kurzfristig, verändern aber den langfristigen Verlauf nicht; für Kortisoninjektionen ist ein Kurzzeiteffekt in den ersten 6–8 Wochen belegt, danach kein Vorteil gegenüber Placebo, und wiederholte Injektionen können die Sehnenqualität beeinträchtigen. Bei chronischem Schulterschmerz zeigt die GRASP-Studie (n=424, patient-blinded, BMBF-gefördert) in direktem Vergleich, dass 15 Akupunkturbehandlungen über 6 Wochen einer konventionellen Standardtherapie (NSAR, Physiotherapie, Kortison) statistisch signifikant überlegen sind: Responder-Rate 65 % unter Akupunktur versus 37 % unter konventioneller Therapie (p<0,01, 3 Monate nach Therapieende). Aktuelle Meta-Analysen bestätigen diesen Effekt bei rotatorenmanschettenbedingten Schulterschmerzen und beim postoperativen Rehabilitationsverlauf. Frozen Shoulder wird nach aktueller Evidenz nicht als primär mechanisches, sondern als neuroimmunologisch-fibrotisches Geschehen mit Fibroblasten-Aktivierung und Zytokin-Dysregulation (IL-1β, IL-6, TNF-α) verstanden — die Kapsel entzündet und fibrosiert ohne mechanische Ursache. In dieser Konstellation ist eine konsequent geführte konservative Therapie über Monate die Regel; Akupunktur gehört evidenzbasiert zu den wirksamsten konservativen Optionen bei chronischen Schulterbeschwerden.
Molsberger AF et al. GRASP: Responder Verum 65 % vs. konventionell 37 % vs. Sham 24 % (p<0,01), n=424. Pain 2010;151:146–154. PMID 20655660. — Chen JH et al. Akupunktur in RC-Reha, MA von 18 RCTs (n=376). Front Surg 2025. PMC12454321. — Lo CS et al. Kombination vs. Einzel-Physio bei RCRSP, network MA. J Clin Med 2025. PMC12250685. — Ryan V et al. Pathophysiologie Frozen Shoulder, SR. BMC Musculoskelet Disord 2016;17:340. — Akbar M et al. Fibroblast & Inflammation. PLoS ONE 2019;14:e0215301.